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SolarAktiv 57
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om 15. März 2005

 

Abwasser

Ruedi Studer

Haus mit eigener Kläranlage

 

Eine Kleinskläranlage für den Hausgebrauch

Im solothurnischen Zuchwil steht das erste „abwasserlose“ Haus der Schweiz. „Aquamin“ heisst das EAWAG-Pilotprojekt, wel-ches einen neuen Weg in der Siedlungsentwäs-serung aufzeigen soll.
Im ersten „abwasserlosen“ Haus der Schweiz steht dafür eine Kleinstkläranlage in Betrieb.

Das Haus in einem Einfamilienhausquartier im solothurnischen Zuchwil sticht einem sofort ins Auge: Ein länglicher Quader mit grossen Fenster und einer schlichten Holzfassade. Dass es sich um ein Ökohaus handelt, lässt der erste Blick vermuten – und tatsächlich ist das Einfamilienhaus als Minergie-P-Haus energietechnisch gesehen zwar ein Sonder-, aber kein Einzelfall. Das wirklich Einzigartige an dem Gebäude ist von aussen nicht ersichtlich – erst im Keller stösst man auf jenes technische Prunkstück, welches das Zuchwiler Haus zu einem Unikat werden lässt: eine Kleinstkläranlage. Und mit dieser ist das Haus der dreiköpfigen Familie Kurmann/Schaefer das erste „abwasserlose“ Haus der Schweiz.

"Aquamin
„Aquamin“ nennt sich das Pilotprojekt der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) für welches die Solothurner Familie als „Versuchskaninchen“ figuriert. Damit sollen neue Wege in der Siedlungsentwässerung aufgezeigt werden. Die Kleinstkläranlage für den Hausgebrauch reinigt das Abwasser mit einer Membrananlage. „Abwasserlos“ ist das Haus insofern, dass das Abwasser nicht der allgemeinen Kanalisation zugeführt wird.

Das hausintern gereinigte Nass wird stattdessen soweit wie möglich im Hauskreislauf gehalten: Ein Teil davon wird für die Toilettenspülung und die Gartenbewässerung verwendet, der Rest gelangt via Biotop im Garten in eine Versickerungsanlage. Um den Frischwasserverbrauch weiter zu minimieren, wird via Dach aufgefangenes Regenwasser für die Waschmaschine genutzt. Insgesamt spart die Versuchsfamilie mehr als ein Drittel an Frischwasser. Rein theoretisch wäre noch mehr möglich: „Das gereinigte Wasser könnte problemlos getrunken werden“, erklärt Haustechniker Thomas Scheuzger, der als Mittelsmann zwischen Bauherren und Projektleitung fungiert.

Der durch Fäkalien und andere Stoffe entstehende Klärschlamm wird übrigens eingedickt und – geruchslos – der Kehrichtabfuhr mitgegeben. „Ziel ist die Kompostierung, doch hier ist die Gartenfläche zu klein“, sagt der Projektverantwortliche Christian Abegglen von der EAWAG.

Kleinst-Kläranlage

Urin separieren
Für den Notfall ist die Pilotanlage übrigens an die öffentliche Kläranlage angeschlossen – seit gut vier Monaten funktioniert das System aber weitgehend zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Verbesserungsmöglichkeiten gibt es aber noch. „Kleinere Probleme sind der Geruch und die Färbung des Wasser“, so Abegglen. Tatsächlich, wer den Kellerraum mit der Kleinstkläranlage betritt, nimmt einen schwachen Uringeruch wahr – allerdings nur für ein paar kurze Sekunden.

Dieses Problem gehen die Forscher aber mit der Urinseparierung an, welche Anfang 2006 eingebaut werden soll. Die notwendigen separaten Leitungen für Gelb- und Braunwasser sind bereits installiert. Auch die Toiletten sind bereits entsprechend eingerichtet. Mit der Trennung verfolgen die Forscher aber noch ein weiteres Ziel: Liegt der Schwerpunkt vorerst auf einer optimalen Stickstoff- und Phosphorelimination, soll später der im Urin erhaltene Phospor rezykliert werden. „Dieser könnte in der Düngemittelindustrie Verwendung finden“, so Abegglen. Zudem ist Phosphor ein relativ seltener Rohstoff: Die heutigen Vorräte sind in etwa 60 Jahren aufgebraucht, wird geschätzt.

Das zweite Problem ist die Wasserfärbung: das Spülwasser im Klo hat eine leicht bräunliche Farbgebung. „Uns stört das aber nicht“, meint Hausbewohnerin Theres Kurmann. Sie ist zuversichtlich, dass die Forscher die jetzigen Probleme in den Griff bekommen werden. Ein Projektabbruch kommt für sie momentan nicht in Frage, der Umweltschutz ist ihr und ihrer Familie nämlich wichtig. „Sonst hätten wir weder ein solches Haus gebaut noch beim diesem Projekt mitgemacht“, kommentiert sie.

Quartieranlagen als Zukunftsmusik
Damit die Versuchsanlage überhaupt im alltäglichen Gebrauch erprobt werden kann, galt es anfangs auch ein paar bürokratische Hürden zu überwinden. Von Gesetzes wegen sind die Gemeinden für die Abwasserentsorgung verantwortlich. Und weil das ganze Kanalisationsnetz als Gemeinschaftswerk solidarisch über Anschluss- und Abwassergebühren finanziert wird, war Zuchwil zwar bereit, den Versuch zuzulassen, auf die Anschlussgebühren in der Höhe von einigen tausend Franken wollte man aber nicht verzichten. Diesen Betrag übernahm der Kanton Solothurn, der sich am Projekt finanziell beteiligt.

Die heutige Gesetzgebung verunmöglicht derzeit den breiten Einsatz von Kleinstkläranlagen in Siedlungsgebieten. Scheuzger kann sich aber vorstellen, dass solche einst in abgelegenen Gebieten oder als grössere Anlagen für ganze Quartiere zum Einsatz kommen könnten. „Statt Geld für die Vergrösserung von Kläranlagen einzusetzen, könnte die dezentrale Abwasserreinigung zur Entlastung der bestehenden Abwasserreinigungsanlagen zugelassen werden“, sieht er gewisse Zukunftsperspektiven.

 

 
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