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SolarAktiv 57
v
om 15. März 2005

 

Energie-Apéros

Alan Hawkins

Connex Gebäude in Baden
Das gläserne Alstom
Konnex Gebäude lieferte
den Rahmen für den
Badener „Energie-Apéro“ 

 

Minergie - Verständlich erklärt

Der Begriff „Minergie“ ist vielen bekannt – aber was bedeutet er wirklich? An zwei Zwillings-Veranstaltungen in Baden und Lenzburg gewährten Experten Einsicht.

Energieberater Martin Sennhauser konnte eine rekordverdächtige Anzahl Zuhörer am „Energie-Apéro“ im Ba-dener Alstom Konnex Gebäude begrüssen. Thema dieses im Rahmen einer Reihe von regelmässigen „Feierabend-Veranstaltungen“ stattfindenden Vortrages war der Baustandard „Minergie“. Dieser Standard zielt auf die Erhöhung der Wohnqualität bei gleichzeitiger Reduktion des Energieverbrauchs eines Gebäudes.

Isolieren wird sich lohnen
Martin Jakob, diplomierter ETH-Physiker und -Ingenieur, referierte über die Kosten und Nutzen von Wärmeschutz für Gebäude, wie er vom Minergie-Standard verlangt wird. Das Potential, gleichzeitig Energie und Geld einzusparen, bleibt heute weitgehend ungenutzt – bei Renovationen wird bei mehr als 80% der Gebäuden nichts getan, um den Energieverbrauch zu reduzieren.

Die Frage, wieso dies so ist, ist schnell beantwortet: Die Wenigsten machen eine Wirtschaftlichkeitsrechnung: „Man sieht vor allem die Kosten für die Anbringung einer Isolation und nicht das Geld, das nachher über die Jahre durch niedrigere Heizkosten eingespart wird“, meinte Jakob.

Wieviel genau eingespart werden könnte, ist relativ schwierig im Voraus zu berechnen – die Ersparnisse hängen natürlich von den zukünftigen Energiepreisen ab. „Diese Preise vorherzusagen ist nicht einfach, aber sie reagieren stark auf den Unterschied zwischen Angebot und Nachfrage“, meinte Jakob. Es zeichnet sich ab, dass die Fördermengen bei Erdöl in den nächsten Jahren zurückgehen werden – und dies bei gleichzeitig steigendem Konsum. Der Experte Jakob empfiehlt deshalb bei Sanierungen wegen der zu erwartenden höheren Energiepreise lieber 20 statt 12 cm zusätzlich zu isolieren.

Energie-Apéro in Baden
Über 150 Zuhörer nahmen sich die Zeit, sich über „Minergie“ zu informieren.
Die Organisatoren der Feierabend-Veranstaltung waren mehr als zufrieden – bald müssen grössere Lokalitäten her... 

Tips für die Fenster
Bei den Fenstern genüge ein Wärmepreis von 7 Rappen pro Kilowattstunde bereits, um den Einbau von „Superfenstern“ in Erwägung zu ziehen. „Mit den heutigen Fenstergläsern lohnt es sich bei Neubauten, eher wenige, dafür grössere Fenster einzuplanen“, meinte Martin Jakob, „die modernen Gläser isolieren besser als die Rahmen rundherum“. Dreifachverglasungen vorzu-sehen sei auch aus Komfortgründen – wegen den höhe-ren Oberflächentemperaturen – sinnvoll.

Eine Lüftung, die sich lohnt
Der Einbau einer kontrollierten, minimalen Lüftung lohne sich gemäss Jakob vor allem wegen dem wesentlich höheren Komfort, obwohl ein solcher Einbau aus rein energetischen Überlegungen nicht zwingend sei. Der gesteigerte Komfort wirkt sich inzwischen bereits auf die Preise von Liegenschaften aus: Eine Untersuchung der Zahlungsbereitschaft für Liegenschaften zeigt, dass sowohl bei Neubauten als auch bei sanierten Gebäuden Mehrpreise in Kauf genommen würden, falls Fenster und Fassaden energetisch auf den neusten Stand gebracht werden.

Die Auswirkungen des „Minergie“-Standards ist gemäss Jakob gross: „Der Einfluss auf die Verkaufspreise von Neubauten im Kanton Zürich beträgt +9%“. Die Zahlungsbereitschaft ist hier um einiges höher als die zusätzlichen Kosten, welche durch die energetischen Massnahmen und den gesteigerten Wohnkomfort verursacht werden

.Minergie + Solar in Niedererlinsbach
Minergie + Solar; die ideale Kombination:
Haus Kallen/Favre in Niedererlinsbach, noch im Bau

Gesundheitliche Aspekte
Der zweite Beitrag von Dr. Werner Hässig schloss im Rahmen des „Energie Apéros“ nahtlos an die Ausführungen von Martin Jakob an. Unter dem Titel „Komfortlüftung und Hygiene“ wurde das oft zitierte Unbehagen von Bauherren und Bewohnern gegenüber Lüftungen angesprochen. „Eine Minergie-Grundlüftung ist keine Klimatisierung“ meinte der ETH-Ingenieur und Energieberater Hässig. Die ausgeglichene Luftqualität, die eine „Minergie“- Komfortlüftung mit sich bringt, muss oft erst erlebt werden: „man will sie nicht mehr hergeben“.

Ausgehend von einem Grundbedarf von 30 m3 pro Stunde und Zimmer, kann eine „Minergie“-Lüftung mit relativ wenig Installationsaufwand und ohne lästige Zugluft realisiert werden. Einige Zuhörer staunten nicht schlecht, als dies anhand eines kleinen Modells demonstriert wurde. Ein typisches Anlagekonzept sieht die Zufuhr von Frischluft in den Schlafzimmern vor – die Luft fliesst danach in den Wohnbereich, bevor sie über die Entlüftungen in Bad und Küche abgezogen wird. Ausgereifte Wärmeaustauscher garantieren zudem, dass möglichst viel dieser Abwärme zur Aufheizung der einströmenden Frischluft beiträgt. Eine moderne, effiziente Anlage kann rund 80% der in der Abluft vorhandenen Wärme rückgewinnen. Die einströmende Frischluft wird zudem oft in Röhren vorgewärmt, die in der Baugrube um den Neubau verlegt werden.

Auch für Renovierungen interessant
Als Folge der relativ kleinen Dimensionen der Luft-Verteilröhre können auch bestehende Wohnungen mit einer „Minergie“ kontrollierten Lüftung ausgerüstet werden. Hässig zeigte, wie die Luftverteilung oft in abgehängten Korridor-Decken realisiert werden kann und wie die sonstige Technik ohne weiteres im oberen Teil eines Küchenschranks „versteckt“ wird.

Hygiene
Sorge um die Hygiene führte zu Untersuchungen von bereits realisierten „Minergie“-Lüftungen: Bei sachgemässer Wartung der Filter (zweimal jährliche Kontrolle / Wechsel) können die Installationen jedoch als problemlos eingestuft werden. Bei den Bakterien und Schadstoffen steigen die gemessenen Werte erst in der Zimmerluft und nicht in der Lüftungseinrichtungen an (dies als Folge der Anwesenheit von Bewohnern!). Beim Reizgas Ozon waren die Werte sogar durchwegs niedriger als in der Aussenluft. Bei den Pilzen kamen keine besonderen Probleme zum Vorschein, aber “eine sorgfältige Verlegung von „Vorwärmer“-Leitungen sei unbedingt zu empfehlen, um Pilzbefall zu verhindern“, meinte Hässig.

 

Energie-Apéros in Baden und Lenzburg
Die regelmässig stattfindenden Energie-Apéros in Baden und Lenzburg erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Zwischen Geschäftsschluss und Feierabend bekommen Interessierte nicht nur Apéro-„Häppchen“ serviert, sondern erhalten auch interessante und fundierte Fachinformationen. Weitere Details zu den Badener und Lenzburger Energieapéros finden Sie unter: www.energieaperos-ag.ch  

Die „Energie-Apéros“ werden von den Hauptsponsoren SWL Energie AG Lenzburg und den Regionalwerken Baden sowie von EnergieSchweiz unterstützt. Zu den Sponsoren gehören auch verschiedene Unternehmungen der Energiebranche sowie Fachvereinigungen aus der Region, wie beispielsweise die Vereinigung für Sonnenenergie SSES, SIA und STV. Auch die lokalen und kantonalen Energiefachstellen und der Hauseigentümerverband sind dabei.

     

 
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